
Er ist wieder dort. Natürlich. Wo sollte er sonst sein, als bei seiner Arbeit!? Er reinigt gerade wieder eine Scheibe. Und diesmal hab ich meine Digi dabei. So schnell ich kann, parke ich No.5 auf dem Gehsteig, fummele die Kamera unter dem Sitz hervor – anschalten – einstellen und … Grünphase. Zu spät für den Schnappschuß.
Der die Windschutzscheibe reinigt hat mich entdeckt und ruft mir etwas zu, das ich nicht verstehe. Vielleicht möchte er nicht fotografiert werden? Er kommt näher, begrüßt mich mit einem freundlichen Lächen und kräftigen Händedruck. Ich kann ihn noch immer nicht verstehen, Deutscher ist er offensichtlich nicht. Ich versuche ihm zu erkären, daß ich das Foto auf einen Ausschnitt seiner Hände Arbeit beschränken will. Er hört gar nicht richtig zu, winkt mich zu seinem Schemel, unter dem er einen speckigen Rucksack hervor holt. Dann wühlt er in seinen Sachen und pult zuletzt ein zusammengefaltetes Stück Papier hervor, daß er mir hinhält: Es ist die Farbkopie einer Reportage über Karel, den Fensterputzer von Sachsenhausen!
Man merkt deutlich, daß er stolz ist, mit großem bunten Foto von sich in der Zeitung gestanden zu haben. Ich bin erleichtert, daß es nicht die wr-gBILDkxtz war, sondern ein örtliches seriöses großes Tagblatt. Der die Windschutzscheibe reinigt faltet das Blatt wieder zusammen und legt es erneut in meine Hände. „Behalten!“ sagt er mir mit freundlichem Lächeln. Er hat nichts gegen Fotos einzuwenden, macht auch aus seinem Namen kein Geheimnis. Er erzählt in gebrochenem Deutsch und ich verstehe kaum die Hälfte davon. Ich mache jedoch die Erfahrung, daß es tatsächlich eine Kommunikationsebene gibt, die vor allem auf gutem Augenkontakt, offener Freundlichkeit und Zuhören beruht.
Irgendwann will ich ihn nicht länger von seiner potentiellen Kundschaft fernhalten, habe schon fast ein schlechtes Gewissen beim Anblick der unzähligen Fahrzeuge, die ungeputzt weiterfahren müssen. Das Geldstück muß ich ihm förmlich aufnötigen (Farbkopien sind schließlich teuer!).


Ich schaffe gerade noch ein paar Schnappschüsse, bevor Der die Windschutzscheibe reinigt auf ein hartnäckiges Hupkonzert aufmerksam wird und auf einen weißen Kombi, ganz hinten in der Autoschlange zurennt.

Zurück kommt er mit einem kleinen, weißen 5 Liter Eimer, bis zur Oberkante gefüllt mit Reis (oder Nudeln) und Soße, Gemüse und Fleisch.
„Abendässän!“ grinst er freudestrahlend. Und dann gibt es nur noch Karel, den Löffel und das Essen im Eimer…
[...] 1st, 2007 by Frau Apfelkomplott Karel stellt sich der Herausforderung des Lebens mit Stolz und Ehre. Man braucht nicht viele, um [...]
Oh der ist so nett, als ich noch täglich durch FFM fuhr, stets an seiner Ampel vorbei durfte er auch regelmäßig meine Scheibe putzen, ich hatte immer 2 Euro liegen für ihn und an Weihnachten gabs nen 10€
Einfach weil er immer freundlich war auch wenn es ihm, grad bei der Kälte, sicher kein Vergnügen war da zu stehen
Der sieht wirklich sehr nett aus. Der dürfte meine Scheibe auch gerne putzen. Er hätte nur die halbe Arbeit und würde trotzdem voll entlohnt.
((Smartys Scheibe ist ja wie alles etwas kleiner
)
Den kenne ich auch – nur daß ich so oft vorbeifahre (mit dem Taxi), daß ich nicht putzen lassen kann – is echt zu teuer auf die Dauer …